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DCM |
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Interview mit Prof. Dr. Christophe W. Lombard von der Vetsuisse-Fakultät Universität Bern
Frage 1: Bitte erzählen Sie kurz, um was für eine Krankheit es sich bei DCM handelt und wie sie zustande kommt.
Antwort: Die dilatierte Kardiomyopathie ist eine primäre Erkrankung der Herzmuskelfasern, die für die Kontraktion (Verkürzung der Fasern) und damit für die Pumpleistung des Herzens verantwortlich sind. Muskelfasern sterben verfrüht ab, und werden mit Bindegewege (Gerüst) anstelle von neuen Muskelfasern ersetzt.
Frage 2: Welche Hunderassen sind vor allem von DCM betroffen?
Antwort: Es sind die grossen und mittleren Hunderassen, wie Irischer Wolfshund, Dogge, Bouvier de Flandres, Dobermann, Boxer, Labrador etc. Seltsamerweise haben schon lange keinen Berhardiner mehr mit dieser Herzerkrankung gesehen.
Frage 3: Was für Voraussetzungen braucht es, damit die Krankheit DCM überhaupt auftritt?
Antwort: Wegen des gehäuften familiären Auftretets der DCM in bestimmten Zuchtlinien sind wir davon überzeugt, dass eine (oder mehrere) Mutationen von Genen, die die Signale für die Produktion von Eiweissubstanzen geben, die die Herzmuskelfaser ausmachen, verantwortlich für das Auftreten der Krankheit sind. Gelegentlich kommen Enzymdefekte oder Mangel an bestimmten Substanzen (z.B. Carnitin) vor, die die Herzmuskelfasern für eine normale Funktion brauchen. Daher lassen sich gewisse Formen von DCM mit der Fütterung der fehlenden Substanz verbessern
Frage 4: Weshalb tritt DCM gerade bei der Deutschen Dogge gehäuft auf?
Weil wahrscheinlich in den letzten 20 Jahren sich eine solche Genmutation bei Doggen eingeschlichen hat, und wegen der engen Zuchtkonzentration (Rückkreuzungen etc.) gewissermassen verstärkt wurde, und jetzt bei vielen Tieren mitgetragen wird und bei einigen zum Tragen, also zum Ausbruch der Krankheit führt. Die Tatsache, dass nicht alle Tiere erkranken und gewisse Trägertiere klinisch gesund sind, aber das veränderte Gen weitergeben, macht das Verständnis der Krankheit komplex und schwierig.
Frage 5: Wie kann der Besitzer einer Deutschen Dogge das Risiko verkleinern, damit sein Tier nicht an DCM erkrankt?
Antwort: Mir ist leider nichts bekannt, womit wir die Genetik quasi täuschen könnten. Sicher sind bei Trägertieren extrem hohe Arbeitsbelastungen zu vermeiden. Leider haben wir (noch) keine Informationen, ob das supergute neue Medikament Pimobendan womöglich das Auftreten der Krankheitszeichen entweder hinausschieben könnte. Wir wissen, dass es aber, wenn die Krankheit mal ausgebrochen ist, hervorragent wirkt, und die Überlebensdauer der erkrankten Hunde deutlich und signifikant verlängert.
Frage 6: Wie kann züchterisch erreicht werden, damit die Deutschen Doggen weniger an DCM erkranken?
Antwort: Durch Auskreuzen des (oder der ) verantwortlichen Gene, wenn sie dann mal bekannt sind und sich durch einfache Gentests nachweisen lassen.
Frage 7: Sind bei anderen Hunderassen, die gehäuft an DCM erkranken, Massnahmen in Gange, das Krankheitsrisiko zu verkleinern? Welche sind diese? Sind schon Erfolge zu verzeichnen?
Antwort: Verschiedene Zentren in Europa und den USA suchen nach den genetischen Mutationen beim Boxer und beim Dobermann, bisher ohne durchschlagende Erfolge. Über die frühzeitige Verwendung des Medikamentes Pimobendan läuft im Nordwesten Deutschlands und Süden Hollands eine Studie beim engen Zuchtlinien von Irischen Wolfshunden, mit vielversprechenden Zwischenresultaten. Über die Suche nach Genmutation (en) bei dieser Rasse ist mir nichts bekannt.
Frage 8: Was für Massnahmen kann der SCDD ergreifen um das Krankheitsrisiko der Deutschen Dogge zu verkleinern?
Antwort: Durch Auskreuzen von Tieren, in deren Familien gehäuft DCM aufgetreten ist, und durch Einkreuzen von Tieren, in deren Familien bisher keine DCM aufgetreten ist.
28.10.2006, J.B. |